Twilight VII
- Stefan Eisenhut

- 17. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juni

Letzthin haben zwei unserer Enkel bei uns geschlafen und die Nacht war etwas unruhig. Nach einem dieser kleinen nächtlichen Intermezzos mit den Grosskindern fand ich nicht mehr zurück in den Schlaf, beschloss aufzustehen und draussen eine Zigarette zu rauchen. Es war kurz nach halb fünf.
Die Natur begrüsste mich mit einer wunderschönen, frühen Morgendämmerung und einer perfekten Vorlage für mein nächstes Bild in meiner Serie "Twilight".
Im Osten lagen die bewaldeten Jurahöhen noch in völliger Dunkelheit. Entlang des Horizonts dämmerte jedoch ein erstes Morgenlicht, das stufenlos ins tiefe Blau des Nachthimmels überging. Umwerfend schön!
Um die Stimmung einzufangen, versuchte ich ein Foto mit meinem Smartphone zu machen. Das Ergebnis war jedoch so entäuschend, dass ich die Aufnahme gleich wieder löschte. Ich versuchte deshalb, mir die Stimmung und die verschiedenen Farben im Kopf einzuprägen, um sie nachher auf die Leinwand bringen zu können, etwas das ich so noch nie versucht hatte.
Bei genauerem Hinsehen fiel mir auf, dass die dunklen Höhenzüge des Jura nicht schwarz, wie auf den ersten Blick, sondern blau-schwarz waren. Das erste Tageslicht entlang der Horizontlinie leuchtete in einem blassen Ocker-Gelb und ging über abgestufte Grüntöne ins tiefe Blau des Nachthimmels über. Dieses erste Licht erhellte auch den angrenzenden dunklen Schatten der Hügelzüge. Mag sein, dass dies nur eine optische Wahrnehmung meinerseits war, aber ich wollte dies in meinem Bild unbedingt auch so wiedergeben. Und schliesslich bemerkte ich, dass auch die Horizontlinie, also die Abgrenzung zwischen Licht und Dunkel nicht einfach eine schwarze Linie war. Vielmehr schien sie mir ganz fein in einem blassen Orange-Rot zu leuchten.
Noch am selben Tag machte ich mich an die Arbeit, damit die Eindrücke dieses frühen Morgens nicht verblassen würden. In einem Zug malte ich eine erste Fassung des Bildes. Als Bindemittel für die Ölfarbe verwendete ich Leinöl, welches die Farbe sehr geschmeidig macht. Nachdem ich das Bild einige Tage antrocknen liess, malte ich noch eine zweite Schicht. Ich habe gemerkt, dass es mir mit einem zweiten Durchgang möglich ist, kleine Fehler vor allem beim Farbverlauf zu korrigieren. Im Weiteren sind die Farben nach dem zweiten Durchgang satter.
Im Nachhinein fand ich, dass es mir recht gut gelungen war, die einmalige Stimmung jenes Morgens auf meinem Bild wiederzugeben und ich freute mich sehr an meinem neuen kleinen Werk. Noch eingespannt auf der Staffelei mache ich als erstes immer ein Foto eines fertigen Bildes für meine Werkdatenbank und allenfalls für die Webseite, so auch diesmal. Nachher wollte ich das Bild von der Staffelei nehmen und an einen sicheren Ort stellen, um es trocknen zu lassen. Mit Leinöl als Bindemittel dauert es mindestens einen Monat bis die Farbe ganz trocken ist. Beim Lösen der Festhalteschraube an der Staffelei war ich wohl etwas unvorsichtig. Jedenfalls kippte das Bild von der Staffelei und fiel hinunter. Ich reagierte blitzschnell und konnte das Bild im Flug mit meinen Händen noch auffangen, so dass es nicht auf den Boden fiel. Aber mit meinen Händen hatte ich mitten ins Bild gegriffen und das Motiv völlig verwischt. Die frische Farbe war überall verschmiert, an meinen Händen und an den Unterarmen. Das Bild selbst ist nicht mehr zu retten.
Mit Sicherheit werde ich jedoch nochmals eine neue Version dieses Motivs malen als Erinnerung an diese kleine Geschichte.



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